Speicherlösungen-2024 - Mini-Solaranlagen für daheim und unterwegs
(Gesamt-)Inhaltsverzeichnis
- Hauptseite mit Zusammenfassung etc.
- Photovoltaik und ihr möglicher Ertrag
- Stromverbrauch und Einspeisung im Haushalt
- Eigenverbrauch und seine Berechnung
- Nutzungsvarianten
- Auswahl und Nutzung von Komponenten
- Beispiel-Konfigurationen
Kommerzielle SSG-Speicherlösungen, Stand Sommer 2024
Hier eine kommentierte Übersicht, insbesondere zu den jeweils unterstützten Lade- und Entladestrategien.
Zendure SolarFlow, AIO 2400 und Hub 2000

Das wohl erste und bekannteste Produkt seiner Art ist das Zendure SolarFlow.
Dieses Gerät und seine Nachfolger verfügen über zwei PV-Eingänge mit getrennten
MPPT. Soweit vorhanden, wird zur Einspeisung PV-Strom verwendet
und die ggf. zur Zielleistung fehlende Differenz aus dem Speicher entnommen.
Wenn der Speicher voll ist, wird im Bypass-Modus der gesamte Ertrag eingespeist.
Zur Bestimmung der Zielleistung gibt es inzwischen im Wesentlichen drei Modi:
- Im Terminmodus kann man abhängig von der Uhrzeit eine feste Einspeiseleistung (in gewissen Stufen) einstellen, also im Wesentlichen eine Konstanteinspeisung bzw. Nachteinspeisung. Dem einfachen Spezialfall, ständig 100 W einzuspeisen, hat Zendure den Namen Batterieprioritätsmodus gegeben.
- Im sog. Intelligenten Matching-Modus wird mindestens so viel eingespeist wie nötig, um den Verbrauch aller Geräte abzudecken, die an mit dem SolarFlow online gekoppelten Smart Plugs (intelligente Steckdosen) hängen — mindestens 100 W und meist deutlich mehr als nötig.
- Seit November 2023
gibt es den Smart-CT-Modus, bei dem die Einspeiseleistung dynamisch an den
über ein Shelly (Pro) 3EM gemessen Gesamtverbrauch im Haushalt angepasst wird.
Nur diese Option ermöglicht eine effiziente Nutzung des PV-Ertrags. Allerdings zeigten Praxistests, dass die Regelung auf Verbrauchs- und Ertrags-Schwankungen träge und ungenau reagiert. Das liegt teils wohl dran, dass die Kommunikation nicht lokal, sondern online über eine Cloud abgewickelt wird, und dass Zendure die Geschwindigkeit einer Änderung der Einspeiseleistung über den Netzwechselrichter (bislang) künstlich begrenzt.
Leider ermöglicht Zendure nicht, auch Speicher anderer Hersteller zu verwenden.
Die größere (1.920 Wh) Batterie hat eine eingebaute Heizung bei Minusgraden.
Ende Februar 2024 brachte Zendure zwei neue Varianten heraus:
- AIO 2400 — dazu hier eine Rezension
- Hub 2000 — dazu hier
ein (nicht ganz unabhängiger) Praxistest.
Der Hub 2000 bringt den großen Vorteil mit sich, dass er bis zu 2 * 900 W PV-Leistung entgegennimmt; man kann also 4 Module anschließen. Zwar kann ein Zendure AB 2000 Speicher nur mit max. 1200 W geladen werden, aber das macht sich für die Rentabilität praktisch nicht bemerkbar.
Beide Produkte scheinen die selbe Steuerung zu verwenden wie beim ersten SolarFlow.
Anker Solix
Anker Solix Solarbank Version 1
Das zweite relativ bekannte Produkt ist die Anker Solix Solarbank. Das Gerät hat nur einen MPPT (was aber meist genügt) und bislang im Wesentlichen eine Betriebsart: Einspeisung mit einer von der Uhrzeit abhängigen und ansonsten konstanten Zielleistung, welche hier Familienlastleistungsrate (FLLR) genannt wird. Sie ist zwischen 100 und 800 W in Stufen von 10 W wählbar, kann aber auch 0 W sein (keine Einspeisung). Aufgrund einer Design-Einschränkung kann das Gerät diese Leistung nur entweder direkt aus PV-Strom oder aus dem Speicher erbringen, also nicht gleichzeitig aus beiden Quellen. Deshalb sind die Details der Steuerung etwas eigenartig:

- Wenn die PV-Leistung mindestens so hoch ist wie die FLLR, wird mit FLLR eingespeist und der Rest in den Speicher geladen (außer wenn er voll ist, dann erfolgt ein Bypass).
- Wenn die PV-Leistung mindestens 100 W unter der FLLR liegt und höchstens 100 W beträgt, wird die FLLR dem Speicher entnommen (solange die Kapazität reicht) und die PV-Leistung geht verloren. Dieser Verlust ist zum Glück nicht groß: typischerweise 10 kWh im Jahr.
- Ansonsten, also wenn die PV-Leistung zwischen 100 W und der FLLR liegt oder weniger als 100 W unter der FLLR (was bei einer FLLR von 200 W aufs Gleiche hinausläuft), wird dem Speicher nichts entnommen und die verfügbare PV-Leistung eingespeist.
Das Produkt hat offenbar noch diverse Kinderkrankheiten, von denen z.B. hier berichtet wurde. Im Jahr 2024 will Anker Verbesserungen bringen, um auch Smart Plugs und Lastmessgeräte (Smart Home Integration) zu unterstützen.
Es gibt Bastler, die dem Solix eine nachgelagerte lastabhängige Drosselung über einen regelbaren Wechselrichter verpassen, so dass er über Nacht nur so viel einspeisen kann wie gerade verbraucht wird. Das macht ihn zwar relativ effizient, aber wer diesen Aufwand treibt, kann sich eigentlich gleich besser und v.A. günstiger etwas eigenes bauen. (Zusätzlich auch tagsüber in die merkwürdige Solix-Steuerung einzugreifen oder sie zu umgehen wäre noch deutlich komplizierter und würde wohl wenig bringen.)
Anker Solix Solarbank 2
Im Juni 2024 brachte Anker verbesserte Nachfolgemodelle unter dem Namen Solarbank 2 heraus. Die “Pro”-Variante hat 4 unabhängige MPPT-Eingänge und einen integrierten 1000 W Inselwechselrichter für Notstrom, während die “Plus”-Variante 2 MPPT hat, mit je 600 W Eingangsleistung.
Beide Varianten haben einen integrierten 800 W Netzwechselrichter und außerdem eine lastbasierte Lade- und Entladeregelung, die nach Angaben des Herstellers sehr flink (innerhalb 3 Sekunden) reagiert und damit eine nahezu optimale Nulleinspeisung (mit etwa 10 W Abweichung) ermöglichen sollte. Ein Test von ComputerBase bestätigt das. Dies ist deutlich besser als man im Eigenbau selbst mit einer sehr effizienten Regelung mit einem Hoymiles-Netzwechselrichter erreichen kann, dessen Reaktionszeit schon ca. 10 Sekunden beträgt. Allerdings läuft das Ganze nur mit dem mitgelieferten proprietären WLAN-gekoppelten 3-Phasen-Messgerät, ist also nicht z.B. mit Shelly (Pro) 3EM kompatibel. Die Regelung hat auch noch diverse Kinderkrankheiten und Beschränkungen.
Vier unabhängige MPPT wird man kaum wirklich brauchen —
das Interessante daran ist vielmehr, dass sich bei der “Pro”-Variante damit
die mögliche Eingangsleistung verdoppelt (auf im Prinzip 2400 Wp,
was dann aber nicht mehr als Balkonkraftwerk/SSG gilt), wodurch sich das System
bei passendem Lastprofil und richtig dimensioniertem Speicher deutlich rentabler
betreiben lässt als mit nur max. 1200 Wp.
Siehe hier ein Simulationsergebnis dazu.
Die Behauptungen von Anker, nämlich eine Ersparnis von “bis zu 902€ pro Jahr”,
sind allerdings massiv überzogen. Realistisch ist für einen typischen Haushalt
und mit 4 * 450 Wp PV-Modulen, wobei das Ganze dann etwa 1500€ kostet,
ungefähr 860 kWh Eigenverbrauch pro Jahr, also nur ungefähr 260€.
Und wenn man den unlauteren Trick herausrechnet,
dass nämlich der weitaus größte Teil der tatsächlichen Ersparnis nicht durch das
Anker Solix, sondern schon durch die (extra zu beziehenden) PV-Module und
den Netzwechselrichter erreicht wird, sieht es für den Speicher nochmal viel
schlechter aus: typischerweise 400 kWh und damit 120€ Ersparnis pro Jahr.
Die integrierte Kosteneinsprungs-Berechnung ist auch nicht realistisch, weil sie einfach auf dem produzierten Strom basiert, statt die diversen auftretenden Verluste zu berücksichtigen, und weil sie auch den Teil einrechnet, der (zumindest kurzzeitig) ins externe Netz geht.
Maxxisun Maxxicharge
Bislang kaum bekannt und erst ab März 2024 allgemein lieferbar ist der Maxxicharge Batteriespeicher. Seine Entwicklung erfolgt(e) in Zusammenarbeit mit Hochschule Anhalt komplett in Deutschland und macht einen sehr soliden Eindruck. Im Gegensatz zu allen vergleichbaren Produkten wurde er von vornherein auf optimale lastabhängige Regelung der Speichernutzung konzipiert.

Bei der Steuereinheit, genannt Central Control Unit (CCU), wird entweder ein Shelly (Pro) 3EM mitgeliefert oder eine Variante des powerfox poweropti, welcher die CCU mit Last-Daten im Sekundentakt versorgt, und zwar in einem eigens aufgespannten WLAN, wobei die Reichweite durch eine mitgelieferte Antenne vergrößert wird.
In den Batterien ist eine Heizung eingebaut, die auch an einem Aufstellort
außerhalb des Hauses eine Ladung bei Minustemperaturen (bis -20°C) ermöglicht.
Die größte Variante hat 5 kWh nutzbare Kapazität und unterstützt bis zu 3 kWp
Modulleistung. Es können auch mehrere Speicher zusammengeschaltet werden
(bis zu 80 kWh). Der Regelungsalgorithmus berücksichtigen auch unterschiedliche
effektive Kapazitäten und Ladungsstände der einzelnen Batterie(zell)en.
Nachdem normale SSGs künftig rechtlich auf 2000 Wp Modulleistung beschränkt
sollen, wurde Hilfe bei der Anmeldung von Anlagen mit mehr Leistung
in Aussicht gestellt.
Am Ende dieses Artikels dazu der interessante Hinweis, dass der Batteriespeicher
nicht ortsfeste PV-Anlagen offenbar nicht angemeldet werden müssen.
Tentek Tribune EMS

Seit März 2024 lieferbar ist der Tentek Tribune EMS Controller. Es gab bzw. gibt auch baugleiche Geräte unter anderen Namen wie Anfuote EMS-Steuerung, Spaun und easySuntower.
Dies ist das offenbar erste käufliche Steuergerät, das nicht nur mit allen
möglichen Netzwechselrichtern, sondern auch mit so gut wie jeder Art
von Speicherbatterie mit 48 V Systemspannung) verwendbar ist.
Es hat je nach Variante 2 bis 4 MPPT
zur Anbindung der PV-Module mit je 30 A nomineller Ladeleistung
für einen DC-gekoppelten Speicher und bietet eine
sehr gute lastabhängige Einspeise-Regelung,
wobei zur Messung des Haushalts-Lastsaldos ein mitgelieferter
WiFi-Energiemonitor oder wahrscheinlich auch ein Shelly (Pro) 3EM verwendet werden kann.
Nach MPPT-Überlastungsschäden werden seit April/Mai 2024 die MPPT-Eingänge
durch ein Software-Update von 30 A auf nur noch je 22 A abgeregelt.
Nach Nutzer-Erfahrungen gibt es aber auch weitere erhebliche Schwächen
bei der Qualität des Geräts und bei der Behandlung von Gewährleistungsansprüchen.
Für das Gerät soll man in Deutschland inklusive WiFi-Energiemonitor selbst mit MwSt-Befreiung 599€ oder mehr zahlen, so dass man auch mit einer günstigen max. 2,5 kWh Batterie auf etwa 1000€ kommt. Das wäre für ein Balkonkraftwerk mit 2 PV-Modulen ca. 300€ zu teuer, denn wie hier ausgeführt kann man damit in einem durchschnittlichen Fall nur etwa 70€ pro Jahr sparen, so dass man selbst bei 700€ Kosten schon eine grenzwertig lange Amortisationszeit von 10 Jahren hat. Deutlich besser sähe es bei 4 Modulen aus, aber dann gibt es teilweise die o.g. Überlastungsprobleme.
Direkt aus China war das Gerät angeblich anfangs für unter 300€ erhältlich. Das wäre aufgrund der Ausstattung auch realistischer, denn es leistet kaum mehr als eine Eigenbau-Lösung mit OpenDTU-OnBattery und zwei MPPT-Ladereglern, was man mit mäßigem Aufwand selbst mit soliden Victron BlueSolar-Geräten für ca. 140€ hinbekommen kann. Wobei die Bedeutung mehrerer getrennter MPPT überschätzt wird — so gut wie immer genügt 1 MPPT-Laderegler mit passender Leistung.
Weitere Produkte
Es gibt weitere ähnliche Lösungen, etwa
- EcoFlow PowerStream, welches ähnliche Modi bietet wie das ursprüngliche Zendure SolarFlow, also zeitabhängige Konstanteinspeisung oder die Verwendung von Smart Plugs, aber keine von der Gesamtlast abhängige Regelung.
- GreenSolar Plug & Play Balkonkraftwerk Basisspeicher von der österreichischen Firma Green Solar (nicht zu verwechseln mit GreenAkku bzw. Bosswerk aus Deutschland), welches etwas günstiger ist, aber nur eine simple Konstanteinspeisung bietet
Zusammenfassung
Viele dieser Produkte haben mehr oder weniger starke Einschränkungen und funktionieren in der Praxis nicht so gut und effizient wie vom Marketing behauptet. Stand Anfang 2024 unterstützen nur Zendure SolarFlow und AIO 2400, der Maxxisun Maxxicharge das Tentek/Anfuote EMS eine lastabhängige Regelung und können damit unter realistischen Bedingungen rentabel sein. Im Juni 2024 kam die Anker Solix Solarbank 2 hinzu.